Eingangsbereich des sanierten, historischen Wohngebäudes
Denkmalgeschützes Wohnhaus Ulm, Fotos: Michael Rennertz

Geschichte wird Lebensraum

Energetische Sanierung

Der Kohlenstadl wird zum sonnenverwöhnten Refugium

Der Ulmer Kohlenstadel trägt mehr als sechs Jahrhunderte Baugeschichte in sich. Gewölbe, Stuckdecken, verzierte Türen und das schmiedeeiserne Treppengeländer erzählen von seinen wechselnden Nutzungen. Zuletzt dient das Erdgeschoss als Friseursalon. Nun soll das geschützte Wohn- und Geschäftshaus wieder zum Zuhause werden. Die Aufgabe verbindet Denkmalschutz, energetische Sanierung und Wohnkomfort: Historische Substanz bleibt spürbar, während drei Ebenen zu einem stimmigen Ganzen zusammenwachsen.

Geschichte, neu verbunden

Mit Respekt vor Bestand und Substanz

Wir legen die gewachsene Struktur frei und führen sie behutsam weiter. Die innenliegende Treppe verbindet Erdgeschoss und Obergeschoss erneut; gemeinsam mit dem ausgebauten Dach entsteht Wohnraum über drei Ebenen. Ein gläserner Windfang bringt Licht und Transparenz in den Eingang, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Aufbereitete Terrakottafliesen, historische Türen und das schmiedeeiserne Geländer geben dem Haus seine Wärme zurück. So fühlt sich der neue Wohnraum großzügig, ruhig und selbstverständlich an … als hätte er immer hierher gehört.

Alte Spuren. Neues Leben.

Wir gestalten mit tiefem Verständnis für die bestehende Substanz. Historische Oberflächen, handwerkliche Einzelheiten und neue Einbauten treten in einen ruhigen Austausch. Wir verbinden langlebige, zeitlose Elemente, die dem Denkmalschutz Tribut zollen und gleichzeitig die energetische Sanierung ermöglichen. Jeder Eingriff folgt der vorhandenen Substanz und einer klaren Nutzungsidee. So bewahren wir den Charakter des Hauses und schaffen zugleich Räume, die den heutigen Alltag tragen.

Vom Friseursalon zum Zuhause

Wo zuvor einzelne Nutzungen und getrennte Geschosse den Zusammenhang unterbrechen, entsteht ein Zuhause mit klar lesbaren Wegen. 

Das Kreuzrippengewölbe erhält Raum zum Wirken, die Terrakottafliesen zeigen wieder ihre lebendige Farbigkeit und Tageslicht begleitet die Übergänge. Altes und Neues stehen in Balance: Das Haus verliert nichts von seiner Geschichte und gewinnt an Offenheit, Geborgenheit und Wohnqualität.

 

Detail des gläsernen Windfangs
Windfang im Kreuzrippengewölbe

Drei Ebenen. Ein Zuhause.

Die entscheidende räumliche Idee liegt in der vertikalen Verbindung. Wir reaktivieren die innenliegende Erschließung zwischen Erdgeschoss und erstem Obergeschoss und führen den Wohnraum bis unter das Dach. Damit entsteht aus vormals getrennten Bereichen eine zusammenhängende Folge unterschiedlicher Räume. Gewölbte Zonen im Erdgeschoss, lichte Wohnbereiche im Obergeschoss und der Rückzug im Dach ergänzen einander. Die klare Zonierung gibt jeder Ebene ihre eigene Stimmung und bewahrt zugleich das Gefühl eines gemeinsamen Hauses. Sichtachsen, Öffnungen und Übergänge sorgen für Orientierung; historische Bauteile bleiben dabei feste Bezugspunkte.

Die Treppe erzählt weiter

Das schmiedeeiserne Geländer aus dem 17. Jahrhundert prägt die Bewegung durch das Haus. Seine geschwungenen Linien setzen einen feinen Kontrast zur klaren Architektur der erneuerten Räume. Wir erhalten dieses handwerkliche Zeugnis durch ihre Restaurierung und geben der Treppe ihre ursprüngliche Aufgabe zurück: Sie verbindet das Leben auf den einzelnen Ebenen.

Beim Hinaufgehen wechseln Licht, Blickwinkel und Raumhöhen. Mal rückt das Kreuzrippengewölbe ins Bild, mal öffnet sich der Blick in die hellen Wohnräume. So wird der Weg durch das Haus zu einer kleinen Erzählung seiner Geschichte; spürbar im Material, sichtbar in den Details und lebendig im täglichen Gebrauch.

Detail des historischen Treppengeländers
Restauriertes Treppengeländer

Materialien bewahren Erinnerung

Das Gestaltungskonzept entwickelt sich aus dem Bestand: den Vorgaben des Denkmalschutzes, den Anforderungen der energetischen Sanierung und den Wünschen der Bauherren. 

Die aufbereiteten Terrakottafliesen bilden einen warmen Grundton, der die Räume zusammenhält. Ihre Spuren und feinen Unregelmäßigkeiten zeigen das Alter des Hauses, ohne es museal wirken zu lassen. Dazu treten helle Flächen, zurückhaltende Einbauten und Glas. Das qualifizierte Farb- und Materialkonzept lässt historische Formen klar hervortreten und bringt zugleich Ruhe in die Räume.

Verzierte Türen, Rahmen und Beschläge bleiben als wertvolle Zeugnisse erhalten; fachmännisch restauriert. Auch neue Bauteile folgen dem Anspruch an handwerkliche Präzision, Dauerhaftigkeit und eine Formgebung, die sich dem Bestand zuwendet. So entsteht Atmosphäre aus Echtheit: vertraut, warm und offen für ein neues Kapitel.

Panoramabild des Erdgeschoses mit Blick auf Terrasse und Küche
Erdgeschoss
Küche und Essbereich
Essen und Kochen im offenen Wohnraum
Blick durch die Etagen durch verglaste Öffnung, Terrakottafliesen
Geschlossene Latrine

Wo jede Epoche sichtbar bleibt

Die Bilder zeigen, wie eng die Epochen im Kohlenstadel miteinander verbunden sind. Das Kreuzrippengewölbe erinnert an die gewerbliche Vergangenheit als Kohlenlager des spätmittelalterlichen 15. Jahrhunderts. Stuckdecken, Türen und Beschläge erzählen vom späteren Wandel zum repräsentativen Wohnhaus (Um- und Ausbau ab 1630). Die wieder genutzte Treppe, die durch Umbauten im 19. und 20. Jahrhundert dem Auge verborgen bleibt, führt diese Schichten räumlich zusammen.

Wir glätten die Geschichte nicht. Wir geben ihren Spuren eine klare Ordnung. Helle Wandflächen schaffen Ruhe, während Terrakotta und Eisen Tiefe und Wärme einbringen. Das qualifizierte Lichtkonzept unterstützt diese Wirkung, betont Gewölbe und historische Einzelheiten und begleitet die Wege durch das Haus. Der gläserne Windfang ergänzt den Bestand als präziser, zurückhaltender Eingriff.

Energie gewinnt im historischen Bestand

Die energetische Sanierung folgt einer besonderen Verantwortung: Das Gebäude soll weniger Energie benötigen, ohne seine geschützte Gestalt und seine wertvolle Substanz einzubüßen. Deshalb betrachten wir jedes Bauteil im Zusammenhang von Bauphysik, Nutzungskonzept und Denkmalpflege. Bestehendes wird erhalten und ertüchtigt, neue Lösungen fügen sich zurückhaltend ein.

Zugleich sanieren wir die Fassade, schließen die ehemalige Latrine und berücksichtigen den Grundwasserbrunnen als Teil der gewachsenen Bausituation. So gewinnt das Haus zeitgemäßen Komfort und eine tragfähige Zukunft. Die verbesserte Energieeffizienz fügt sich selbstverständlich in das sorgfältig weitergebaute Denkmal ein.

Weiße moderne Küche mit Lichtinstallation im Kreuzrippengewölbe
Offene Küche
Esstisch mit Stühlen
Essbereich
Esstisch mit Bank und Stühlen, Blick in den Garten
Von der Küche bis zum Garten
Nischen im Eingangsbereich
Charmante Nischen nutzen
Deckenführung verschlossen, Wärme im Raum halten, energetisch saniert
Mit Transparenz Wärme halten
Wohnraum mit Treppe ins Obergeschoss
Wohnbereich
Außenansicht der sanierten Rabengasse nähe Ulmer Münster
Neue Fassade

Weiterbauen heißt weiterleben

Mich berührt an diesem Projekt, wie gegenwärtig ein mehr als sechs Jahrhunderte altes Haus sein kann. Im Kohlenstadel stehen Kreuzrippengewölbe, Stuck, Terrakotta und Schmiedeeisen für viele Generationen und Nutzungen. Wir nehmen diese Spuren ernst und führen sie zu einem Zuhause weiter, das Wärme, Weite und Geborgenheit ausstrahlt. Die Geschichte bleibt sichtbar und das Leben zieht neu ein.

Die größte Herausforderung liegt im Gleichgewicht zwischen Denkmalschutz, energetischer Sanierung und den Anforderungen an zeitgemäßes Wohnen. Das Funktionskonzept ordnet Räume, Wege und Übergänge über alle drei Ebenen. Die reaktivierte Treppe verbindet die Bereiche, gibt Orientierung und macht aus getrennten Geschossen wieder ein gemeinsames Haus.

Wenn dich unser Ansatz für Bauen im Bestand, Architektur und Innenarchitektur inspiriert, freuen wir uns auf deine E-Mail. Wir sind im gesamten deutschsprachigen Raum tätig und teilen gerne unser Wissen, um auch deinen Umbau oder deine Sanierung verantwortungsvoll zu gestalten.

Gustav Rennertz

Gustav
Rennertz

Geschäftsführung,
Projektleitung

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